Holzfassade Teil 1 12.05.2020

Ansicht von Vorne (Quelle: M.Stein)

Wie schon zuvor in einigen Beiträgen geschrieben, haben wir uns viele Anregungen über Pinterest geholt. Auch im Hinblick auf die Gestaltung unserer Außenfassade sind wir dort fündig geworden. Zudem sind wir durchaus Norwegen-affin und haben auf unserer Hochzeitsreise durch das wunderschöne Land die Augen offen gehalten und reichlich Inspirationen mitgenommen.
Eine Holzfassade aus vergrautem Holz sollte es sein. Nur welche Holzsorte ist dafür geeignet und welche Ausrichtung macht Sinn?

Nach langer Recherche haben wir uns für die sibirische Lärche (und gegen die europäische Lärche) entschieden. Sie ist noch härter, weil langsamer gewachsen und widerstandsfähiger gegen Schädlinge.

Schaut man sich die alten, allseits bekannten rot-weißen Holzhäuser in Skandinavien an, so ist die Ausrichtung der Holzleisten nahezu immer vertikal ausgerichtet. Das ist kein Zufall. Das Holz kann in vertikaler Ausrichtung schneller trocknen und das Regenwasser sammelt sich nicht auf den Holzleisten. Auch ein noch so guter Anstrich kann eine horizontale Holzverkleidung nicht dauerhaft schützen. Daher war sofort klar, dass wir mit Blick auf die Langlebigkeit unserer Fassade uns auch für eine vertikale Holzfassade entscheiden.
Sehr interessant fanden wir die Fassaden, bei denen die Holzleisten in drei unterschiedlichen Breiten und in wildem Verband angeordnet waren. An der gesamten Fassade waren keinerlei Schrauben zu sehen, was den Häusern einen sehr geradlinigen schlichten Look gibt, ohne dass die Schraubenköpfe ablenken würden.
Das SchwörerHaus einen so speziellen Wunsch nicht im Standardprogramm anbietet, war uns vollkommen klar. Daher wanderte die Erstellung unserer Traumfassade auf die immer länger werdende Liste der Eigenleistungen. SchwörerHaus zeigte sich allerdings sehr kooperativ und sagte zu, uns das Haus so hinzustellen, dass es bereits dicht ist und wir das Lärchenholz als hinterlüftete Fassade nur noch anschrauben müssen. D.h. auch, dass die so genannte „Designfuge“ zwischen EG und OG, die wir nicht so schön finden, ist bei uns aufgrund unserer Holzfassade nicht mehr sichtbar.

Soweit die Theorie. Nun galt es, unsere Vorstellungen umzusetzen. Eine Anleitung hatte ich nicht.
Die gewünschte sibirische Lärche habe ich bei der Firma Sibirica direkt in Sibirien beim Hersteller gefunden. Diese Firma war nicht nur deutlich günstiger als die Holzhändler in unserer Umgebung. Für einen geringen Aufpreis haben wir die sechs Meter langen Lärchenholzleisten in den Breiten 6cm, 9cm und 12cm rundum doppellagig mit unserer Wunschfassadenfarbe (Adler Silverwood) streichen lassen und damit viel Zeit gespart. Die Lieferzeit von 16 Wochen haben wir dafür gerne in Kauf genommen.
Als Unterbau dienen Rhombusleisten aus sibirischer Lärche. Die Form der Leisten verhindert auch hier, dass Regenwasser sich auf den vertikal angebrachten Leisten sammelt. Die Leisten werden von drei Seiten doppellagig schwarz gestrichen damit sie durch die Außenfassade nicht sichtbar sind.

Fassadenbau
Die Lärchenholzbretter werden in der gewünschten Reihenfolge mit der Rückseite nach oben zurechtgelegt. Der Luftspalt zwischen den einzelnen Brettern von 1 cm wird mit Abstandshölzern als Platzhalter eingehalten und anschließend mit Schraubzwingen fixiert. Auf diese Weise lassen sich auch windschiefe Bretter in Form bringen. Alle 60cm wird nun eine Rhombusleiste quer über die Bretter gelegt und mit Schrauben befestigt. Zunächst hatte ich vor, die Bretter mit einem Druckluftnagler zu nageln, jedoch den Plan schnell verworfen, da die Nägel Rhombusleiste und Fassadenbrett nicht dauerhaft fest genug miteinander verbinden. Nach einigen Versuchen haben sich die V2A-Fassadenschrauben in 4,5x 4,5cm der Firma Würth als die beste Lösung erwiesen. Die Schrauben haben vorne einen kleinen Bohrkopf, sodass das Holz nicht einreißt und das Gewinde schnell eine feste Verbindung zwischen den Hölzern gewährleistet. So entstehen einzelne Panele, die wir dann wie ein Puzzle auf die Hauswand aufgebracht und dort verschraubt haben. Damit auch diese Schrauben von Außen nicht ohne weiteres sichtbar sind, wurden die Schrauben in die Rhombusleisten durch die 1cm Fugen geführt.

Was sich nun im Nachhinein so einfach liest, gestaltete sich als extrem aufwendige Arbeit.

  • Es wurden letztendlich 6000 Würth-Schrauben benötigt
  • Jedes Panel durfte nur ca. 80cm breit werden, bevor es zu schwer wurde, um es noch halbwegs auf dem Gerüst händeln zu können
  • Die einzelnen Panele mussten sorgfältig zusammengestellt werden, damit es keine Wiederholungen in der Reihenfolge der Bretter gab
  • An den Fenstern durfte kein Brett ausgeschnitten werden, sondern musste als ganzes daran vorbei laufen
  • da leider nicht alle Fenster bündig übereinander standen, musste nwir tricksen, was viel Zeit und Nerven kostete
  • Die äußere Fassadenschicht des Schwörerhauses ist so hart, dass selbst V2A Schrauben teilweise abbrechen und mühsam entfernt werden müssen.

Aktuell haben wir nun alle Fassadenelemente angebracht. Als nächstes stehen die Fenster- und Türrahmen auf der Tagesordnung. Die Dämmung rund um die Fenster ist leider nicht rechtwinklig bzw. lotrecht unter der äußeren Fassadenbahn angebracht. So können wir die Rahmen nicht direkt einsetzen, sondern ich muss mir für jedes Fenster und jede Tür individuell etwas einfallen lassen und den Holzrahmen einpassen.

Rechts neben der Hausnummer sind zwei unserer LED-Lichtleisten zu sehen, die in die Fassade integriert wurden (Quelle: S.Stein).

Über den Fenstern und Türen werden die Fassadenbretter noch gleichmäßig gekürzt. Ebenso an der Unterkante der Fassade.

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